Erste Erwähnung Ölbach und Claasbruch
Im Jahr 1288 in der Zeit der Schlacht von Worringen, regierte Adolf V. Graf von Berg über das Bergische Land. Vielleicht wurde er auch von Bauern aus Neukirchen und der Biesenbach in der Schlacht unterstützt.
Die Neukirchner Zehntrolle, die um 1300 niedergeschrieben wurde, enthält 95 Namen von Abgabepflichtigen. Neben den Rittersitzen Atzlenbach und Diepental, werden die Orte Imbach, Hüscheid, Pattscheid, Romberg und die freien Höfe Bruch, Oberölbach, Grund, Claasbruch und Unterölbach in ihr erwähnt. Die Orte der Gemeinde Bergisch Neukirchen, die hier noch nicht genannt sind existierten wahrscheinlich in der damaligen Zeit auch schon.
Aus der oben angesprochenen Neukirchner Zehntrolle ergibt sich für viele Ortschaften im heutigen Bergisch Neukirchener Gebiet eine Ersterwähnung von 1299.
Zu dieser Zeit regierte Wilhelm, der I. Graf von Berg, das Bergische Land.
Das deutsche Reich wurde von König Abrecht I. regiert und der Bischoff von Rom war Papst Bonnifatius der VIII..
Namensgebung:
Die Ober- und Unterölbach ( Euulbag ) tragen ihre Namen wohl nicht nach Ölmühlen, die hier gelegen haben könnten, auch nicht nach Eulen. Es liegt die eher die Vermutung nahe, daß sie nach einer Aue-Wiese, der sie oberhalb und unterhalb vorgelagert waren, benannt sind.
Erste Erwähnung Biesenbach
Die Biesenbach wurde 1506 erstmalig erwähnt.
Der „rector oder pastor zu Neuwenkirchen“, stiftete eine Vikarie.
Dazu zitiert Erich von Dreusche (ehemaliger Pfarrer von Neukirchen):
Kirstgen (Christian) von der Kalterherberge 1487 – 1515 verdient besondere Beachtung (nicht nur was die Schulgeschichte von Neukirchen betrifft).
Er hat sein Vermögen der Kirche vermacht zur Stiftung einer ‚Vicarie‘.
Aus der ‚Vicarie‘ ist die Schule von Neukirchen hervorgegangen .
Sein Testament befindet sich in Original und Abschrift im Pfarrarchiv von Bergisch Neukirchen. Es enthält nicht weniger als 23 Rentbriefe über Grundstücke, die zum Teil weit außerhalb lagen.
Einer dieser Rentbriefe hat folgenden Inhalt:
11 November 1506 Rentbrief von 5 Mark aus einer Wiese im Kirchspiel Lützenkirchen von Johann , Evert und Emunden, Hennessen Kinder in der Biesenbach , und seine Frau Katharina, Kirchspielsleute zu Lützenkirchen verkaufen dem Pastor Kerstgen zu Neukichen 5 Mark.
In diesem Brief ist nun die Biesenbach erstmalig erwähnt, es ist aber wahrscheinlich das es diese Hofschaft ähnlich wie Claasbruch und Ölbach schon früher gegeben hat.
Die Biesenbach, wurde zuerst unter dem Namen „ Bißenbach“ genannt
Dieser Namen soll sich auf die auch heute noch in diesem Gebiet anzutreffenden Binsen zurückführen lassen.
Was die Biesenbach selber betrifft, gibt es nur wenige, schriftliche Informationen über die Menschen und Ereignisse aus dieser Zeit.
Nicht zu vergessen, daß das älteste Haus von Leverkusen in der Biesenbach steht.
In dieser Zeit regierte Wilhelm IV., Herzog von Jülich-Berg und Ravensberg das Bergische Land. Maximilian der I. von Habsburg war König im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und Papst Julius der II. war Bischof von Rom. Christoph Kolumbus, der Entdecker Amerikas, starb in Spanien und für den Petersdom in Rom wurde der Grundstein gelegt.
Martin Luther weilte in Erfurt im Kloster der Augustinereremiten.
Im Jahre 1673 standen in der Biesenbach sieben Häuser (Ich erinnere, das daß älteste Haus Leverkusens in der Biesenbach steht und im 16. Jahrhundert gebaut wurde)
Auf dem Claasbruch wurden zwei und in der Ölbach ein Haus gezählt. Zu den sieben Häusern in der Biesenbach gehört auf jeden Fall das eben erwähnte älteste Haus (Biesenbach 33), sowie die Gebäude Biesenbach 15 – 17.
Die anderen Häuser aus dem Jahr 1673, die in dem folgenden Auszug einer Statistik erwähnt sind, können wir leider nicht zuordnen.
Die Statistik
Statistiken:
Statistik aus der Illu. Chronik der Stadt Berg. Neukirchen
Ort 1673 1745 1784 1835 1895 1910 1925
Anzahl
Familien/Mitglieder
Biesenbach 7 / 012 / 47 11 / 21 / 124 26 / 111 31 / 122 83 / 110
Claasbruch 2 / 3 / 13 5 / 2 / 14 5 / 20 5 / 26 5 / 22
Claashäuschen 1 / 3 / 17 4 / 12 4 / 20
Flabbenhäuschen 7 / 23 9 / 34 10 / 36
Neu-Kronenberg 3 / 16 5 / 20 5 / 15
Unterölbach 1 / 2 / 12 6 / 23 7 / 25 7 / 28
Die Menschen, die hier lebten, hatten es nicht einfach. Ob niederländische Freiheitskriege (1568-1648), truchsessischer Krieg (1583-1588), Jülich-Clevischer-Erbfolgestreit (1606-1614) oder auch der dreißig jährige Krieg (1618-1648).
So geht es immer weiter bis in das 20. Jahrhundert hinein. Immer wieder waren die Bewohner unserer Gegend plündernden und marodierenden Soldaten ausgesetzt.
In den sog. ‚Sendgerichtsprotokollen‘ aus dem 17. Jahrhundert kann man von den Problemen der einfachen Bevölkerungen lesen.
Sendgerichtsprotokolle:
Diese Protokolle von Gerichtssitzungen geben einen Einblick in das Leben und die Sorgen der damaligen Zeit
In der Monatsschrift 7 des Berg. Geschichtsverein wird von den Sendgerichtsprotokollen der Gemeinde Neukirchen, Kreis Solingen vom Jahre 1643 - 1704 berichtet.
In diesen Berichten geht es meist um Wege- und Straßenunterhaltung, Abgaben an die Kirche u.s.w.. Hier gibt es zwei interessante Artikel. In einem wird ein Bürger erwähnt, dessen Name immer noch einem Ortsteil der Biesenbach seinen Namen gibt. In einem anderen Protokoll wird versucht, einer Leidenschaft Einhalt zu gebieten, der heute noch viele Biesenbacher fröhnen.
Die Protokolle stammen aus dem 17. Jahrhundert und werden hier buchstabengetreu wiedergegeben.
1647
Bott Joh. Richartz präsentirte Herrn Oberst Plettenbergs Befehl und 2 Fuhren zu thun, so unterlassen würde, werde bei ihm sein Haus geplündert, als bittet er um Erstattung. Flabb sagt, der Schaden soll erstattet werden, wenn ihm von den Nachbarn dergleichen Schaden erstattet würde. Ferner wurde verabhandelt, daß hinsüro ein jeder sein Gesinde bei Tag nach den Kindtaufen schicken und die Kramherrn die Mägde gleichfalls bei Tag zurückgehen lassen, bei Strafe eines Kümmer Korns. Ingleichen sollen die Heirathen hinüro nicht mehr auf den Samstag gehalten werden.
1685
Es wird auch allhier angegeben wie daß, verfluchte Kartenspiel sich wiederumb sollte in diesem Kirchspiel hervorthun, dadurch Gottes Reich zersteuertet und des Teufelsreich ausgebreitet wird. Beschluß: Hierauf ist von der ehrsamen Gemeinde einhellig beschlossen worden, daß welcher Eingesessene dieses Kirchspiels, er sei oder heiße, wie er immer wolle, dieses Kartenspiel n ihren Häusern würden dulden, daß derselbe der Kirche zur Straf ½ Malter Korn, oder den Werth dafür geben; die Kartenspieler aber, sie seien Junge oder Alte, sollen doppelte Strafe geben. Dann auch dieselben, welche es sehen und wissen und nicht anzeigten. Und wenn sich die Verbrecher wieder alles verhossen zur Kirchenstrafe nicht würden ziehen lassen (: in diesen sowie in anderen straffälligen Sachen: ), so sollen sie durch obrigkeitlichen Zwang dazu Vermöget werden.
Damit jede gute Zucht und Ehrbarkeit in diesem Kirchspiel möe erhalten, Gottes Reich fortgepflanzt werde, des Teuffels Reich zernichtet werden.
Es wird auch allhier am Sendgericht angegeben, wie daß ethliche unter den Wirthen allhier einigen Eingesessenen dieses Kirchspiels nicht allein zwischen (unter) der Predigt, sondern durch die ganze Nacht aufhalten, sowohl Sonn- als auch Werkelstag und ihnen ohne unterlass zapffen, daß mancher Mutter Kind seiner Eltern sauer erworbenes Gut, so liederlicher Weise in solchen Häusern verprasset und hernacher an den Bedelstab geräth, oder auch solcher Verprasser sich zu ernähren veranlasset wird, zu den verbotenen Mitteln zu greifen und dadurch ein Verächter Gottes, seiner Gebotten und h. Sacramenten wird.
Beschluß: Nachdem unsere Obrigkeit egen des Zapfens den Wirthen ihre Ordnung ha gegeben, so soll es damit sein bewenden haben und die Verbrecher deswegen bei der gebührlichen Obrigkeit angegeben werden, allermeist aber weilen Ihro Churfl. Dchl. Brüchten hirinnen.
Die ganze Gemeinde gibt an, daß etliche Eingesessene, fremde Leute, Nacht und Tag aufhalten, dadurch eiem dem anderen großen Schaden zugefügt werde.
Beschluß: Weil solches gegen Ihre Churfftl. Dchl. Polizeiordnung, so sollen die Eingesessenen dieses Kirchspils vermög derslben Ordnung nur allein 1. Nacht den Fremden vegönnen, widerigen falls sollen sie nebens hro Chftl. Dchl. In brette zur Kirchstraf gezogen werden und zwar ein Sümmer Korn geben.
Das Vogelschießen in Bergisch Neukirchen
Wie Erich von Dreusche in der Geschichte der Gemeinde Bergisch Neukirchen schreibt, war das Vogelschießen die älteste gemeinschaftliche Betätigung in Bergisch Neukirchen. Sie war zwar nicht wie z.B. in Lützenkirchen seit 1423 eine Angelegenheit einer Bruderschaft, sondern eine Angelegenheit, an der jeder Eingesessene teilzunehmen hatte.
Wie in alten Protokollen zu lesen, sollte der Vogel zu „bequemer Zeit“ aufgestellt werden und im Jahr 1651 heißt es: „Im gleichen ist vereinbart, daß dem Altherkommen gemäß das Vogelschießen und Königessen auf gewohnliche Zeit auf Montag zum Heiligen Pfingstfest angestellt und gehalten und damit negstkünftig heiligen Pfingstfest ein Anfang gemacht werden solle“.
Der Termin wie auch der Festort wechselte aber von Jahr zu Jahr.
Schon 1650 ist auch von einer Kette in Silber mit Vogel und Schildern die Rede. 1725 hat die Vogelkette schon 54 Schilder in Silber und wiegt 2 Pfund, 10 Loth und ein Quentlein.
1718 wird dann ein Reglement beschrieben, um der Unordnung beim Vogelschießen Einhalt zu gebieten.
Erste Aufgabe des Königs war es, ein Gastmahl für die Bedürftigen (Schützenessen) abzuhalten.
Da es bei den Festen trotz der aufgestellten Regeln immer heiß her ging, (‚Sünde und Laster verübet wurde‘), wurde das Vogelschießen 1720 eingestellt.
Mehrere Versuche (auch gewalttätige) scheiterten am Widerstand des Pastors und des Kirchenvorstandes. Im Jahre 1769 wurde der silberne Vogel samt Kette verkauft. Der Erlös wurde zur Reparatur des Pfarrhauses verwendet.
Die nächsten Hinweise zur Biesenbach findet man unter anderen in den Registern der Kirchengemeinde Bergisch Neukirchen:
Testamente:
1618 Januar 12
Jacob Wirtz zu Heuscheid mit seinem Erbgut zum Claßbruch, das er von Johann Flandrian erkauft mit dem Weg oben vom Nonnebruch, für Tringen, seine Ehefrau und die Kinder, auch für seine Pflegekinder in der Biesenbach, des sel. Pastors Johann Wolfstalls hinterlassene Kinder und für seine Brüder Jan Wirtz zu Pattscheid und Peter Wirtz zu Imbach, zugleich als vormünder seiner Kinder bestellt; Zeugen: Johann Hoffacker, Scheffe am Gericht zu Schlebusch, Johann Wirtz zu Pattscheid und Johann Gosser zu Heuscheid.
Die Biesenbacher Mühle
Auf einer bergischen Landkarte von 1715 wurde die BIESENBACHER MÜHLE
erstmalig eingezeichnet.
Um 1834 wurde die Mühle als „Frucht und Kornmühle“ von Peter May
betrieben. Sie spielt eine nicht unbedeutende Rolle in der Geschichte der Industriellenfamilie Tillmanns, die 1858 diese Mühle zum Ausgangspunkt ihres Unternehmens im Wiembachtal machte.
Zuletzt befand sich dort das “ Pumpwerk Biesenbach“ , das Quettingen und Lützenkirchen mit Wasser versorgte. Die alten Mühlengräben sind noch heute zu erkennen.
Ein Zeitungsinserrat aus dem „Verkündiger“ vom 22.09.1860 lautete:
„Bei Verlegung unserer Fabrik wird meine Oelmühle wieder in täglichen
Betrieb gesetzt, und versichere beim Lohnschlagen rasche und reelle Bedienung.
Biesenbachermühle, 18.Sept. 1860.
Wilhelm Pohlig
In einer Auswertung von Adressbüchern aus dem 19 Jahrhundert findet man, bezogen auf die Mühle, folgende Einträge:
1834 Friedrich Wilhelm Kattwinkel, Lützenkirchen Biesenbach, Frucht und Ölmühlenbesitzer sowie
1861 Wilhelm Engels Biesenbach 125, Frucht und Oelmüller
In den Adressbüchern von 1803- 1861 findet man noch folgende Einträge von Biesenbachern:
1861 Ludwig Gamm, Klaashäuschen 281, Landwirt,
1861 Theodor Knoch, Biesenbach, Ackerer
1861 L. Langenbach, Klaasbruch 278, Wb. Landwirtin
1861 Dr. Wilhelm Teichmann, Neukronenberg 124 ½, Ass. von Isaac Tillmanns
1861 Wilhelm Thiel, Neukronenberg 124 ¼, Holzschraubenfabrik
DER FLEIßIGE WIEMBACH
Zu den ältesten Denkmalen intensiven Gewerbefleißes vor der industriellen Revolution gehören die Mühlen.
Das wir im heutigen Stadtgebiet ausnahmslos Wassermühlen vorfinden, erklärt sich aus dem sprichwörtlichen Regenreichtum des Bergischen Landes. Das „fleißigste“ Gewässer war der WIEMBACH, der nicht von ungefähr auf alten Landkarten MOLENBACH (1673), MÜLLENBACH (1696), oder OPHOVERMÜHLENBACH (1825) heißt.
Die am weitesten in die Vergangenheit zurückreichenden Mühlen sind die Mahlmühlen. In einem, das Gut Ophoven betreffenden Lehnbrief, aus dem
Jahr 1439 sind die zwei zu Ophoven gehörenden „mullen mit gemahl darzu“,
die sogenannte Ophovener Mühle und die „Mullen zu Lützenkirchen“, die Lehner Mühle, aufgeführt.
Im Verlauf des Wiembaches drehten sich viele Wasserräder mit Hilfe des Wiembaches:
Lohmühle (1823) Rennbaum
Ophovener Mühle (1439)
Fa. Tillmanns (1858) Neucronenberg
Biesenbacher Mühle (1715)
Lehner Mühle (1439)
Pulvermühle (1603)
Dürscheidermühle (1217)
Gerstenmühle
Lambertsmühle (um 1620 )
Alte Mühle (1715) Köttersbach
Hirzenberger Mühle (1865 )Köttersbach
Die Jahreszahlen beziehen sich auf die Gründung bzw. Ersterwähnung
(Literatur: Stadtchronik v. Rolf Müller)
Hochwasser 1934
Unwetter am 25.06.1934 Mittagszeit
Bericht aus der „Bergische Post“ Ausgabe für Leverkusen vom 26.06.1934
Opladen – Lützenkirchen
u.a.
Nachdem nachmittags mit allen Hilfsmitteln die schlimme Flut beseitigt war, staute sich das Wasser erneut in der Biesenbach und gefährdete das Wasserwerk an der Biesenbacher Ölmühle. Kurz vor 4 Uhr mußte die Feuerwehr, die noch an einigen Stellen in Tätigkeit war, abermals alarmiert werden. Ungeheure Wassermengen stauten sich hier und drangen in die Keller und Maschinenräume ein. Die Opladener Wehr mußte gegen 6 Uhr zu Hilfe kommen, um der Flut Herr zu werden.
DAS PUMPWERK BIESENBACH
Der nachfolgende Text wurde einer längeren Abhandlung ( von 1961) des langjährigen Vorsitzenden des Wasserversorgungsverbandes Bruchhausen, Lehrer Karl König entnommen:
„Einen anderen Teil der Gemeinde versorgte seit 1908 das Wasserwerk Biesenbach-Ölmühle, das die Firma Tillmanns der Gemeinde Lützenkirchen zum Betrieb einer Wasserleitung verpachtet hatte.
Die Pumpen wurden bei normalem Wasserstand des Wiembaches durch ein Wasserrad und in wasserarmen Zeiten durch einen Elektromotor getrieben.
Der zugehörige Wasserturm stand auf der Ohmer, etwa 110 Meter über Meereshöhe. Das Pumpwerk arbeitete bis 1955 und dient seitdem als Reservewerk. Der Wasserturm wurde 1959 gesprengt.
Biesenbach versorgte „zur Hauptsache nur den unteren Teil der Gemeinde Lützenkirchen“. Das eigentliche Dorf und Holzhausen schlossen sich erst später an, hatten aber in Sommerzeiten viel unter Wassermangel zu leiden.“
Die „Herren Gebrüder Tillmanns“
Wie Neu-Cronenberg zu seinem Namen kam:
Im Jahre 1826 waren der Nagelschmiedemeister Isaak Jakob Tillmanns und seine beiden Brüder in Cronenberg bei Wuppertal selbstständige Unternehmer. Sie suchten und fanden ein neues Grundstück in der Gemeinde Lützenkirchen- in der Nähe von Wiembach und Ölbach (Flur1, Nr. 39 und 40).
Zunächst betrieben die Tillmanns ab 1859 in der Pohligsmühle ihre Schraubenherstellung, dann -ein Jahr später- beantragten sie eine neue, große Fabrikanlage, der sie nach deren Fertigstellung in Erinnerung an ihren Heimatort die Bezeichnung NEU-CRONENBERG gaben.
In der Bevölkerung hieß und heißt die Gegend, wo heute nur noch eine alte Halle steht, die denkmalgepflegt wird, TILLMANNS LOCH.
Da die Familie Tillmanns damals das Bild der Biesenbach nachhaltig geprägt
hat, hier nun noch ein Auszug aus der Chronik der Firma Tillmanns:
Die „ Herren Gebrüder Tillmanns zu Biesenbach“ nahmen 1858 zunächst in der Pohligsmühle (Biesenbachermühle) die Herstellung von Holz- und Eisengewindeschrauben auf, beantragten aber schon im November gleichen Jahres bei Bürgermeister Rossi in Schlebusch die Genehmigung zur Errichtung eines neuen, großen Werkes, einer „ Holzschraubenfabrik mit oberschlägigem Wasserrad“. Die Genehmigung wurde im März 1859 erteilt und bald entstanden in rascher Folge auf dem genannten Grundstück jene, für damalige Zeit, ansehnlichen Fabrikgebäude.
Zu dem Anwesen gehörten außerdem ein 2 ha großer Stauweiher im Wiembachtal, umfangreiche Ländereien und zwei repräsentative Wohnhäuser, die vom Selbstbewußtsein und Wohlstand dieser bedeutenden Unternehmerfamilie zeugen. Das Unternehmen nahm einen erstaunlichen Aufschwung, wie allein schon die Beschäftigtenzahlen ausweisen:
1862 : 120 männlich 0 weiblich gesamt = 120
1885 : 197 männlich 27 weiblich = 224
1890 : 225 männlich 35 weiblich = 260
1895 : 286 männlich 32 weiblich = 318
1899 : 357 männlich 25 weiblich = 382
1900 : 419 männlich 35 weiblich = 454
1914 : insgesamt 600
Um 1870 lief in Neucronenberg mit einer Leistung von 50 PS die erste Dampfmaschine. Ihr folgte bald eine, im eigenen Betrieb gebaute Maschine, von 80 PS. Nach der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Opladen-Wermelskirchen im Jahr 1881 machte sich die Firma Tillmanns die wichtige Verbesserung der Verkehrslage zunutze, indem sie zwischen den Bahnhöfen Opladen und Bergisch Neukirchen einen Bahnanschluß anlegte.
Nach Inbetriebnahme der Kleinbahn Opladen-Lützenkirchen (1914) übernahm diese den Güterverkehr vom Bahnhof Opladen zur Fabrik.
Das Produktionsprogramm umfaßte Nägel, Bolzen, Nieten, Betthaken, Holzschrauben und Mutterschrauben aller Art. Neuartig in dieser Branche war, daß die bis dahin handgeschmiedeten „Stiefeleisen“ oder „Absatzeisen“ in Neucronenberg maschinell hergestellt wurden. „Sonderbarerweise ist der Artikel im Konsum durch die Gummiabsätze erheblich zurückgedrängt worden“, berichtete die Werkschronik später. Die Tillmanns’schen Erzeugnisse wurden nach 27 Ländern exportiert. Hauptabnehmer waren die Balkanstaaten.
Nimmt man die Zahl der Beschäftigten im 1900 mal fünf, kommt man auf 2270 Menschen, die direkt oder indirekt von ihrer Arbeit bei Tillmanns lebten. Das ist fast die Einwohnerzahl von Lützenkirchen (1900: rund 2600 Seelen).
Die Bedeutung dieses einzigen Industriegebietes und größten Arbeitgebers in Lützenkirchen für diese Gemeinde kann nicht deutlicher veranschaulicht werden.
Der Blütezeit der Firma in Neucronenberg lief eine noch stürmischere und erfolgreichere Entwicklung parallel, und zwar in Rußland.
Drei Söhne des Firmengründers wanderten ins Zarenreich aus. Richard Tillmanns gründete 1878 nach dem Vorbild des väterlichen Betriebes eine
Schraubenfabrik in Kowno und baute dort 1905 ein Walzwerk, das 90 Tonnen Stahl täglich für den eigenen Bedarf lieferte. Die Tagesproduktion belief sich auf 25.000 Gros Holzschrauben, und die Beschäftigtenzahl stieg 1914 auf 3000.
Ewald und Lebrecht Tillmanns eröffneten je eine Handelsgesellschaft in Petersburg und Moskau, später dann auch in Odessa, Kiew und Warschau.
Bis 1918 war Tillmanns die einzige Fabrik ihrer Art in ganz Rußland.
Seit 1919 jedoch behinderte das Zollgebaren des 1918 wiedergegründeten Staates Litauen die Geschäfte empfindlich; aber selbst das kleiner gewordene Unternehmen florierte glänzend. Den Todesstoß erhielt die Firma schließlich durch den Hitler-Stalin Pakt von 1939. Die Sowjetunion besetzte im Juni 1940 Litauen und die Deutschen mußten gemäß dem Umsiedlungsvertrag das Land sofort verlassen.
Auch an Neucronenberg gingen der erste Weltkrieg und die Nachkriegsjahre nicht spurlos vorüber. Große Schwierigkeiten machten der Verkauf auf dem Balkan und die Folgen der Inflation, ohne die Firma jedoch in ihrer Substanz zu treffen. Noch im Oktober 1926 feierte man glanzvoll das hundertjährige Bestehen. Aber schon fünf Jahre später brach das Verhängnis in Gestalt der verheerenden Weltwirtschaftskrise über Deutschland herein und vernichtete auch das Werk in Neucronenberg. „Die Firma Tillmanns hat die Belegschaft bis auf einen Bruchteil entlassen müßen. Die Gefahr, daß das ganze Werk zum Stillegen kommt, ist durchaus nicht gebannt“, schreibt der Opladener Verwaltungsbericht aus dem Jahr 1930. Und 1933 heißt es: „Fa. Tillmanns ist noch geschlossen, Verhandlungen zwecks Wiedereröffnung schweben“.
Aber alle Bemühungen waren vergebens. Nicht einmal die wirtschaftliche Scheinblüte nach 1933 vermochte das Unternehmen zu beleben. „ Mit einer Wiederinbetriebnahme der Fa. Tillmanns wird kaum noch gerechnet weden können“ (1936).
Seit der Schließung der Fabrik in Neucronenberg besteht „I.J. Tillmanns“
abgesehen von dem etwa zwanzigjährigem Zwischenspiel der 1946 gegründeten Tillmanns & Co. KG für Stahlfenster- und Türen nur noch als Vermögensverwaltung für den ausgedehnten Haus- und Grundbesitz. Zuletzt befanden sich auf dem Fabrikgelände die DOR-Mineralölraffenerie Hans Rothert & CO.(seit 1934), die Firma Peter Orth & CO. (seit 1938 ), die Walzmaschinen für Breitbandprofile herstellte und der Schrottgroßhandel Karl Stiefvater KG (seit 1949).
Unvergessen sind in Opladen die aus echter Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft geleisteten, großzügigen Hilfen der Familie Tillmanns für die Kirchen beider Konfessionen, Vereine, Feuerwehren, Schulen und zur Förderung der Wasserversorgung. Johann Abraham Tillmanns war jahrelang Mitglied des Lützenkirchener Gemeinderates und von 1874 bis 1880 sogar Gemeindevorsteher.
(Literatur: Stadtchronik v. Rolf Müller)
Eine nette Geschichte über die Fabrikschule der Fa. Tillmanns schrieb auch schon Th. Gierath in der Festschrift über das 100 jährige der Quettinger Grundschule nieder:
Fabrikschule in Neucronenberg
Einerseits handelt es sich hier zweifellos um ein düsteres Kapitel der Wirtschaftsgeschichte, andererseits aber auch um den bemerkenswerten Versuch des Unternehmens, den geplagten Kindern, die die Eltern in die Fabrik schickten, um einen bescheidenen Beitrag zum ohnehin kargen Lebensunterhalt der Familie beisteuern zu lassen, wenigsten ein Minimum an Unterricht zu bieten.
Seit 1872 erteilte Lehrer Höffgen in einem Raum des nicht mehr erhaltenen schieferverkleideten Fachwerkhauses auf dem Fabrikgelände etwa 25 zwölfjährigen und älteren Kindern täglich drei Stunden Unterricht. Die Schule unterstand der Aufsicht des Lokalschulinspektors von Lützenkirchen.
„Das Lehrer Höffgen mehr Mitleid mit den Kindern hatte“, schreibt Theodor Gierath, beweist folgendes: Ein Junge legte müde seinen Kopf auf die Bank und schlief bald so fest, daß sein Nachbar ihn nicht zu wecken vermochte. Der Lehrer sagte: Ach, laß ihn schlafen, du siehst doch, wie müde der arme Kerl ist. Das hätte er besser nicht gesagt. Am nächsten Tag waren es drei und ehe die Woche vorbei war, lag bald nach Beginn des Unterrichts das ganze Völkchen in süßer Ruh. Der gute Lehrer zündete sich eine lange Pfeife an, stellte sich ans Fenster und ließ seinen Gedanken freien Lauf.
Auf die Dauer war es wohl unmöglich, Kinder zur gleichen Zeit in der Fabrik arbeiten und unterrichten zu lassen. Daher wurde 1879 vereinbart, die Fabrikschule zu schließen und die Kinder morgens in die für sie zuständigen öffentlichen Schulen zu schicken und ihnen die Fabrikarbeit erst nachmittags zu gestatten.
( aus: Th. Gierath Was die Alten erzählen, Festschrift zum 100 jährigem bestehen der Kath.Schule Quettingen)
(aus Stadtchronik Opladen v. Rolf Müller)
Das ‚Preußische Urkataster‘:
Das erste Mal wurde das Bergische Land ab 1819 von den Preußen vermessen. Unser Gebiet um das Jahr 1829. Die Aufzeichnungen geben wieder, wer, wo, was für Grundstücke besaß. Auch wurden dort alte Flurbezeichnungen festgehalten. Hier sind die Namen derer wiedergegeben, die im Flur V. der Gemeinde Lützenkirchen als Gründstückseigentümer aufgeführt sind.
Namen aus dem ‚Preußischen Urkataster‘ 1828/1830 (es wurden nur die Grundstückseigentümer aufgeführt)
Biesenbach:
Mutterrolle Name
014 Berger, Johann Peter 059 Courth, Heinrich
086 Ernst, Peter 180 Jansen, Peter Johann
185 Jütz, Christian
268 May, Peter Theodor
270 Mai, Peter
322 Oberhaus, Wilhelm
383 Röntchen, Peter Theodor
413 Schneider, Andreas
442 Steinmehl, Chrstian
450 Taxer, Peter
Klasbruch:
138 Hausmann, Jacob
207 Kolk, Jacob
Einige Nachkommen der hier Genannten leben noch heute in der Biesenbach.
Aus den Erinnerungen von Max Heider sen.
Durch einen Zufall wurden uns während unserer Recherchen die „ Kindheitsaufzeichnungen“ von Max Heider zu Verfügung gestellt.
Max Heider, im Jahre 1893 in Claasbruch Nr.2 geboren und in der Biesenbach aufgewachsen, hat in seinen Aufzeichnungen einiges wiedergegeben, was es uns ermöglicht, einen Einblick in diese Zeit zu nehmen.
Zweck dieser Aufzeichnungen war es, seinen Nachkommen die Herkunft der Familie Heider in Erinnerung zu behalten.
Die Erinnerungen werden hier gekürzt wiedergegeben.
Max Heider Berg.-Neukirchen 14.11.1966
Meinen Nachkommen zum Gedenken
Als ich am 25.9.1893 in Claasbruch das Licht der Welt erblickte, hatten meine Eltern auch wohl nicht damit gerechnet, welchem Zeitalter sie mich entgegenführten, außer den noch drei nachfolgenden Brüdern. Mein Vater Richard Heider geb. am 2.9.1867 in der Atzlenbach, wo mein Großvater Heinrich Heider hingezogen war.
In den achtziger Jahren kaufte sich dann mein Großvater in der Biesenbach Nr.20 an, wo er eine kleine Landwirtschaft mit sieben Morgen Land betrieb.
Als Zugpferd wurde eine Baukuh benutzt, welche auch gleichzeitig für Milch sorgen mußte. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse brachte meine Großmutter nach Solingen, natürlich zu Fuß, ein Korb auf dem Kopf und an jedem Arm noch ein kleinerer. Alles wurde bei einer Familie Bräuhaus abgeliefert.
Zusätzlich betrieben meine Großeltern noch eine Plüschweberei, (dieses Gewerbe war in unserer Gegend sehr verbreitet, fast jeder Haushalt betrieb einen Webstuhl als Nebenerwerb) welche auch von vier der sechs Kinder erlernt wurde. Wenn eine Lieferung fertig war, so mußte dieselbe nach Elberfeld gebracht werden, natürlich zu Fuß.
Die Bahn war damals schon da, aber in Privatbesitz. Nach Elberfeld fuhr damals die Bergisch- Märkische und die war sehr teuer. Ich weiß noch, dass mein Vater erzählte, das sie das Fahrgeld an einem Tag nicht verdienen konnten.
Nach dem Jahre 1900 fuhr meine Großmutter nun mit der Eisenbahn nach Solingen und wurde dann von uns Kindern regelmäßig um vier Uhr abgeholt. Großmutter brachte uns immer Klümpchen mit, für jeden zwei. Außerdem für unsere Familie das Fleisch für Sonntag. 1 Pfund Rindfleisch für Suppe. Von der Suppe wurde eine Tasse abgeschöpft, welche als Soße für die Kartoffeln diente.
Meine Mutter Mathilde geb. Löhdorf wurde in Biesenbach am Siefen geboren, also auf Lützenkirchener Gebiet. Auch hier kleine Landwirtschaft, Plüschweberei sowie ein kleiner Fuhrbetrieb. Mein Großvater von mütterlicher Seite ist aber früh verstorben und ließ vier unversorgte Kinder zurück. Unterstützung gab es zu dieser Zeit nicht, so daß die Großmutter in den Tagelohn gehen mußte. Sie war eine geborene Schultes mit Namen Hermine aus Romberg. Sie starb 1898, als ich 5 Jahre alt war.
In der Biesenbach lernten sich auch meine Eltern kennen. Auf der Scheunentenne, dort wurde früher nach Melodien einer Ziehharmonika das Tanzen gelernt. Walzer-Polka-Schottisch und Polka-Masulka. Andere Tänze waren unbekannt.
Am 1.2.1893 wurde geheiratet und im September kam ich zur Welt. Wir wohnten damals in Claasbruch Nr.2 in einem kleinen Häuschen, welches einem ledigen Bauern (Robert Kolk) gehörte. Zu der Wohnung gehörte ein Garten, etwas Bauernhof sowie ein Stall für Ziegen. Also Gemüse, Kartoffeln und Milch war da.
Für den Winter wurde im Herbst mit gesorgt. Eine Tonne Sauerkraut, eingemachte Bohnen sowie Rübstiehl waren im Keller. Ferner wurden noch Bohnen getrocknet, sowie Birnen und Pflaumen. Eingekochte Sachen kannte man damals noch nicht. Bananen, Tomaten und Aprikosen und alles was es heute gibt, für uns völlig unbekannte Begriffe. Nur zu Weihnachten gab es mal eine Apfelsine, aber wir waren glücklich und zufrieden.
Mein Vater war beschäftigt bei der Fa. I.I. Tillmanns Neucronenberg als Schleifer. Die Arbeitszeit war von 6:30 Uhr bis 18:30 Uhr. Nur an Samstagen bis 16:30 Uhr. Nebenbei ging mein Vater noch Obstbäume schneiden sowie veredeln und Obst pflücken. Außerdem war er
auch noch bei der Fa. Tillmanns Sonntagsnachmittagpförtner. Von 13:00 – 18:00 Uhr. Anschließend ging er in das Werkskasino und trank ein paar Glas Bier und der Sonntag war vorbei.
1903 kaufte mein Vater sein elterliches Anwesen; die 4 Geschwister wurden ausbezahlt und wir zogen von Claasbruch zur Biesenbach 20.
Am 1. April 1907 wurde ich aus der Schule entlassen. Eine Arbeits- oder Lehrstelle konnte ich noch nicht bekommen da ich erst im September 14 Jahre alt wurde. So wurde ich unter der Hand für ein Jahr auf der Landwirtschaft beschäftigt, bei Bauer Städgen in Claasbruch. Hier ging es munter zu. Von morgens sieben Uhr bis abends 7-8-9 oder zehn Uhr.
Ich mußte alles tun: Vieh füttern, Ställe misten. Selbst melken wurde mir beigebracht. Als Entgelt erhielt ich pro Woche 3,60 Mark. Von diesen 3,60 erhielt ich 20 Pfennig.
Am 1. Mai 1908 wurde ich nun auch bei der Fa. Tillmanns untergebracht, als Arbeiter und erhielt am 1. Mai 1909 einen Lehrvertrag als Schlosser. Meine Lehrzeit betrug 4 Jahre. Als Entgelt wurde für das 1. Jahr 1. Mark, im 2. Jahr 1,25 Mark, im 3. Jahr 1,50 und im 4. Jahr 2. Mark pro Tag bezahlt. Im 4.Jahr wurde man aber schon mit Akkordarbeit betraut, so das man wöchentlich schon 20,- Mark verdiente. Ältere Handwerker hatten im Schnitt einen Tagelohn von 5,- Mark.
Nach dem mein Bruder Richard auch bei der Firma eingestellt wurde, ging es uns zu Hause besser und es gab jeden Mittwoch etwas Schweinebraten zum Mittagessen. Oder wenn Kirmes in Neukirchen oder Opladen: 1,- Mark zusätzliches Taschengeld.
Im Jahr 1909 wurde nun die Berufsschule eingeführt.(Fortbildungsschule genannt) Ich war schon zwei Jahre aus der Schule und jetzt mußten wir wieder in die Schule. Zum Zeichenunterricht mußten wir Handwerkslehrlinge nach Köln. Und zwar jeden Sonntag- morgen nach Köln zur Baltasar Str., Unterricht von 9–12 Uhr. Das Fahrgeld, eine Halbjahreskarte kostete 16 Mark, mußten wir selbst bezahlen. Zeichenbretter usw. mußten immer hin und her geschleppt werden. Um 1:30 Uhr waren wir dann wieder zu Hause. Nachdem wir uns dann gesättigt hatten, fing nun der Sonntag an.
Es wurde sich dann gegen 3 Uhr getroffen, meistens bei Heinrichs. Meistens waren wir dann so 20 Jungs zusammen und dann ging es los. Es wurde Räuber und Gendarm gespielt, in einem Raume der von Neucronenberg bis Hamberg und von Neukirchen bis Holzhausen/ Quettingen reichte. Es ging dann bis zum späten Abend und der Sonntag war aus.
Wenn nun Kirmes in Neukirchen – Opladen – oder Lützenkirchen war, fiel das Räuberspiel aus. In Neukichen war der Kirmesplatz an der Hauptstr. von der Kirche bis über Grühl. Auf dem Kirchplatz, wo jetzt ein Denkmal steht, war ein Karussell, zwischen Wirtz (Flügel) und Tillmanns war ein Karussell und zwischen Grühl und Müllers war eine Schiffsschaukel. Dann war noch eine Schießbude, der Büchel von Leichlingen mit Backwaren und einem Kirmeshäuschen mit Spielsachen und der Traum war aus. Gefeiert wurde Sonntag – Montag und Dienstag, aber jeder besuchte einmal die Kirmes und zu Hause wurde auch gefeiert. Dann gab es Reisbrei – Bretzel und Zwieback, auch hatten wir immer 5 oder 6 ltr. Flaschen Bier im Haus, außerdem Apfelwein.
(leider enden hier die Aufzeichnungen)
Auch gab es in der Biesenbach eine Geflügelzucht.
Zuerst betrieben von Heinrich Schmitt, später von Oskar Gras (Schwiegersohn von H. Schmitt) Vater von Fr. Paffrath die immer noch im ehemaligen Haus Biesenbach 22 wohnt.
Personenregister aus „Adreßbuch für Solingen“, Abteilung Bergisch Neukirchen.
Gesammelt aufgrund der Volkszählung vom 01.12.1905.
Sehr interessant für alle Familienforscher, man beachte aber, daß zwischenzeitlich Hausnummern geändert worden sind. Genannt wurden auch nur (wie in dieser Zeit üblich) die Familienoberhäupter:
Alius Richard, Eisenbahnarbeiter, Flabbenhäuschen 5
Bäcker Gustav, Fabrikarbeiter, Biesenbach 16
Bellefontaine Jakob, (Witwe von) Landwirtin, Biesenbach 8
Buntenbach Jugendhold, Flabbenhäuschen 3
Daum Wilhelm, Dreher, Biesenbach 24
Dicke Johann Friedrich, Weber, Biesenbach 3
Drees Gustav, Fabrikarbeiter, Flabbenhäuschen 1
Erlenköser Friedrich Wilhelm, Fabrikarbeiter, Biesenbach 21
Erlenköser Karl Uwe, o.A., Biesenbach 21
Erlenköser Robert, Fabrikarbeiter, Biesenbach 25
Ernst Julius, Biesenbach 6
Ernst Karl Hugo, Weber, Biesenbach 6
Ernst Otto, Landwirt, Biesenbach 14
Ernst Wilhelm, Fabrikarbeiter, Flabbenhäuschen 5
Fix Hugo, Fabrikarbeiter, Unterölbach 5
Fix Karl Sigmund, Plüschweber, Unterölbach 3
Fuchs Eduard, (Uwe oder Witwe von ?) Biesenbach 13
Hahne Eduard, Schlosser, Biesenbach 25
Heider Heinrich, (Witwe von) Biesenbach 20
Heider Otto, Fabrikarbeiter, Biesenbach 20
Heider Richard, Fabrikarbeiter, Biesenbach 20
Heinrichs Robert, Fabikarbeiter, Biesenbach 15
Herrmanns Karl, (Witwe von), Landwirtin, Claashäuschen 2
Herrmanns Richard, Ackergehilfe, Claashäuschen 2
Hollweg August, Weber, Biesenbach 12
Hollweg Cornelius, Landwirt, Biesenbach 12
Ismer Richard, Landwirt, Biesenbach 19
Kolk Hugo, Landwirt, Claasbruch 3
Kolk Karl Ludwig (Witwe von), Landwirtin und Schankwirtin
Claashäuschen 1
Kolk Walter, Ackergehilfe, Claashäuschen 1
Krämer Emil, Fabrikarbeiter, Biesenbach 9
Krämer Gustav, Fabrikarbeiter, Biesenbach 18
Krause Heinrich, Fabrikarbeiter, Biesenbach 5
Krause Karl, Laborant, Biesenbach 5
Krause Theodor, Schmied, Biesenbach 5
Lan Friedrich, Wagennotierer, Flabbenhäuschen 3
Lan Johann sen., Landwirt, Flabbenhäuschen 3
Lan Johann jun., Tagelöhner, Flabbenhäuschen 4
Löhdorf Hugo, Fabrikarbeiter, Biesenbach 1
Löhdorf Otto, Fabrikarbeiter, Biesenbach 10
Lückgen Friedrich Wilhelm, Fabrikarbeiter, Biesenbach 9
Mebus Albert, Fabrikarbeiter, Biesenbach 24
Mebus Eugen, Fabrikarbeiter, Biesenbach 7
Mebus Oskar, Fabrikarbeiter, Biesenbach 7
Meyer Josef, Schleifer, Biesenbach 15
Peters Albert, Werkstättenarbeiter, Biesenbach 25
Peters Ernst, Fabrikarbeiter, Biesenbach 25
Rehborn Wilhelm, Fabrikarbeiter, Biesenbach 8
Rüttgers Ernst, Fabrikarbeiter, Biesenbach 4
Scheuß Bernhard, Landwirt und Kutscher, Claasbruch 4
Schleutermann August jun, Fabrikarbeiter, Flabbenhäuschen 2
Schleutermann August sen. Schleifermeister, Flabbenhäuschen 2
Schleutermann Max, Fabrikarbeiter, Biesenbach 21
Schmidt Friedrich, Händler, Claashäuschen 3
Schmidt Heinrich, Fabrikarbeiter, Biesenbach 22
Schmidt Heinrich,(Witwe von) Landwirtin, Claashäuschen3
Schneider Emil, Weber u. Kleinhändler, Biesenbach 17
Spieker Oskar, Fabikarbeiter, Flabbenhäuschen 5
Stadgen Robert, Landwirt, Claasbruch 1
Steffens Ewald, Fabrikarbeiter, Flabbenhäuschen 2
Tillmanns Abraham, Fabrikarbeiter, Biesenbach 2
Wahlen Johann Wilhelm, Tagelöhner, Flabbenhäuschen 1
Weber Friedrich Wilhelm, Weber, Biesenbach 10
Werker Peter, Fabrikarbeiter, Claasbruch 2
Adreßbuch von Lützenkirchen 1905, nur Namen
Biesenbach:
Balzuweit, Otto Werkstättenarbeiter
Buchmüller, Jakob Dreher
Bützler, Peter Bahnarbeiter
Ernst, Gustav Fabrik Nachtwächter
Melzer, Gustav Heizer
Müller, Josef Ackerer
Procknowski, Mathias Werkstättenarbeiter
CHRONIK WASSERVERSORGUNGSVERBAND BIESENBACH
Die Wassergenossenschaft Biesenbach wurde am 30. August 1902 in Claashäuschen gegründet. Dem Vorstand gehörten an:
Emil Schneider, Vorsitzender
Robert Erlenköser, Beisitzer
Otto Ernst, Beisitzer
Eduard Fuchs, Beisitzer
Richard Herrmanns, Beisitzer
August Schleutermann, Beisitzer
Man fasste damals den Beschluss, die Wasserleitung für die Ortschaften Biesenbach, Claasbruch, Claashäuschen, Flabbenhäuschen und Unterölbach zu bauen. Ein Unternehmer ‚Schmitz‘ aus Leichlingen legte einen Kostenvoranschlag in Höhe von 6.300,-- DM vor. Er umfasste folgende Leistungen: Einfassung der Quelle, Bau des Pumpenhauses, Lieferung der Pumpe und des Wasserrades für den Antrieb, Bau des gesamten Ortsnetzes für die genannten Ortsteile sowie alle Hausanschlüsse. Die Endabrechnung belief sich dann auf 7.722,-- DM. Das Wassergeld betrug damals 8,-- DM pro Jahr für einen Normalhaushalt. Für den Wasserantrieb der Pumpe leitete man unter der Brücke in Unterölbach Bachwasser in eine Tonrohrleitung, die am linken Bachufer der Böschung entlang geführt wurde. Nach ca.. 150 m war am Pumpenhaus die erforderliche Höhe erreicht, um über ein Wasserrad von 1,80 m Durchmesser die Pumpe antreiben zu können.
Die Tonrohrleitung, die alle 30 m einen Kontrollschacht hatte, wurde in jedem Jahr zu Fronleichnam von Wurzelwerk und Algen mit Hilfe eines langen Stahlseiles und eines Fangkorbes gereinigt.
Auch an der Wassergenossenschaft ging die Inflation im Jahre 1923 nicht vorbei. Das Jahresgehalt des Pumpenwarts betrug 1923 80.000,-- DM. Wer zu Fronleichnam nicht mithalf, die Tonrohrleitung zu reinigen, musste 2.000,-- DM Strafe zahlen. Das Wassergeld wurde am 12. Mai 1923 in der niedrigsten Stufe auf 1.000,--DM, in der höchsten Stufe auf 10.000,-- DM pro Jahr festgesetzt. Bereits am 8.September 1923 musste man den Wasserpreis auf 1 Million DM in der niedrigsten Stufe, und auf 10 Millionen DM in der höchsten Stufe erhöhen.
Am 8. Januar 1924 setzte man das Wassergeld in der niedrigsten Stufe mit 0,50 Goldmark,, in der höchsten Stufe mit 3,00 Goldmark pro Jahr fest. Der Pumpenwart bekam jährlich 55,-- Goldmark.
1932 musste das Wasserrad erneuert werden. Da die Kostenvoranschläge einiger Firmen der Genossenschaft zu hoch erschienen, baute der damalige Pumpenwart, Herr Axel Piel, ein neues, größeres Wasserrad.
Als man im Jahre 1935 feststellte, dass die Pumpanlage den stetig steigenden Wasserbedarf nicht mehr im vollen Umfang decken konnte, erwog man den Anschluss an das Wasserversorgungsnetz von Bergisch-Neukirchen. Dieser Plan wurde aber schon bald wieder verworfen.
Am 1. Februar 1939 setzte man neue Wassergeldsätze fest. Danach betrug die Grundgebühr pro Familie 8,-- RM, als Zuschläge waren vorgesehen: Für Toilette mit Wasserspülung 1,50 RM, für Badeeinrichtung 3,-- RM, für Wassermotor (Waschmaschine) 12,-- RM, für 2 Stück Großvieh 12,-- RM und für 7-8 Stück Großvieh 16,-- RM.
Von 1939 bis 1948 wurden keine Mitgliederversammlungen abgehalten.
Am 19. Mai 1948 trat die Wassergenossenschaft Biesenbach das Leitungsnetz an die Genossenschaft Bergisch Neukirchen ab. Ferner wurde beschlossen, eine neue elektrische Pumpanlage anzuschaffen, da die Wasserradpumpe schon lange nicht mehr ausreichte.
Am 10. August 1949 fasste man den Beschluss, eine neue Quelle einzufassen, eine neue Pumpstation zu bauen und das gesamte Ortsnetz zu erneuern. Der Vorstand wurde am
18. April 1953 beauftragt, die notwendigen Schritte für diesen Umbau einzuleiten. Nachdem am 1. Juli 1954 die Baugenehmigung für die gesamte Anlage vorlag, wurde beschlossen, um in den Genuss stattlicher Zuschüsse zu gelangen, die Genossenschaft in eine Körperschaft des öffentlichen Rechts umzuwandeln: neuer Name: Wasserversorgungsverband Biesenbach.
Das neue Pumpenhaus wurde dann 1954 mit einem Kostenaufwand von 9.500,-- DM erstellt. Ein Jahr später begannen die Vorbereitungen für den Neubau des gesamten Ortsnetzes. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 74.000,-- DM.
Um die Druckverhältnisse zu verbessern, wurde 1958 der Anschluss an das Ortsnetz von Bergisch-Neukirchen vorgenommen.
Als Gegenleistung für die Nutzung des Wasserturms in Bergisch-Neukirchen als Druckausgleich erhält die Wassergenossenschaft Bergisch-Neukirchen das überschüssige Wasser aus der Quelle des Verbandes (ca. 40 - 50.000 m³ Wasser).
Im Jahre 1959 wurde dann das Ortsnetz für 78.383,83 DM gebaut.
In den nächsten Jahren erweiterte man die Pumpstation mit einer Chlor- und Enthärtungsanlage.
Im Jahre 1970 blickte Herr Josef Trummel auf eine 25-jährige Tätigkeit als Pumpenwart zurück.
1977 wurde ein neuer Vorstand gewählt. Dessen Mitglieder waren:
Dr. Ferdinand Böckle, Vorsitzender
Marga Bartelt, Kasse
Erich Fuchs, Beisitzer
Hans Manz, Beisitzer
Karl Putz, Beisitzer
Hans Schäfer, Beisitzer
Werner Wendel, Pumpenwart (bis 1979)
Wolfgang Kanzok, Pumpenwart (ab 1979)
Wegen der in den 80er Jahren immer häufiger auftretenden Rohrbrüche wurde eine Netzerneuerung unumgänglich. In den Straßen Biesenbach und Claasbruch wurde diese in den Jahren 1990/91, in Flabbenhäuschen 1994 durchgeführt.
Aus unterschiedlichen Gründen verschlechterte sich in den Folgejahren die Wasserqualität zusehends. Dies führte zu immer größerer Unzufriedenheit der Nutzer und letztendlich zu der Entscheidung, das Wasser zukünftig von der EVL zu beziehen und den Wasserverband aufzulösen.
Die offizielle Übergabe des Leitungsnetzes an die EVL erfolgte im August 2003. Seitdem fließt Trinkwasser aus der Dhünntalsperre durch das Biesenbacher Leitungsnetz.
Nachdem im Frühjahr 2005 das Pumpenhaus abgebrochen wurde, alle Formalien geregelt und letzte Zahlungen geleistet waren, wurde der Wasserversorgungsverband Biesenbach im August 2005 aufgelöst.
Dem letzten Vorstand des Wasserversorgungsverbandes gehörten an:
Dr. Carl-Ludwig Kotthoff, Vorstand
Karl Putz, Ehrenvorsitzender
Klaus Hinkelmann, Kasse
Rolf Hanke, Beisitzer
Hans Schäfer, Beisitzer
Jürgen Wasse, Beisitzer
Wolfgang Kanzok, Pumpenwart
In den 103 Jahren des Bestehens der Wassergenossenschaft führten folgende Herren die Geschäfte der Genossenschaft bzw. des Verbandes:
1902 bis 1917 Emil Schneider
bis 1933 Richard Hermanns
bis 1946 Michael Philipps
bis 1949 Hugo Neu
bis 1953 Max Kolk
bis 1977 Josef Kerst
bis 2001 Dr. Ferdinand Böckle
bis 2005 Dr. Carl-Ludwig Kotthoff.
BAUERNHÖFE:
In einer Aufstellung „größerer Güter“ von 1935 (größer als 5ha)
im Opladener Stadtgebiet werden unter der Anschrift Wiehbachtal 9
als Eigentümer Peter Josef Schneider aus Heeken, Krs. Schleiden genannt, als Pächter des 17 ha und 5 a großen Hofes ist Michael Philipps 1935 eingetragen.
Peter Josef Schneider ist der Onkel von Frau Klara Meyer, die den Hof von ihrem Vater M. Phillips übernahm.
Der zweite Hof der aufgelistet wird unter der Anschrift Wiehbachtal 3 mit einem 10 ha 90a großen Anwesen ist Wilhelm Näschen.(Dieser Hof befand sich aber laut Aussage von Frau Meyer am heutigen Forellental)
(Aus Opladener Stadtchronik v. Rolf Meyer )
Der Schießverein Einigkeit
Opladener Zeitung Freitag, 01.07.1926 (Micro Film)
Schützenfest in Biesenbach
Der im vorigen Jahre (25.06.25) neu gegründete
„Schießverein Einigkeit Biesenbach“ feiert am Sonntag, d. 03.07 und Montag d. 04.07.1926 sein erstes großes Schützenfest. Wochenlang ist alles schon emsig bei der Arbeit um der Veranstaltung das nötige Gepräge zu Verleihen,
neue Schießstände wurden gebaut, ein großes Zelt auf dem Festplatz bürgt für einen angenehmen Aufenthalt. Für Belustigung und Unterhaltung ist bestens Sorge getragen, keine Arbeit ist gescheut worden, um seinen Besuchern einen recht gemütlichen Aufenthalt zu bereiten, wenn der Wettergott ein Einsehen hat um all diese Mühen nicht zu Schanden zu machen !
Es kann unbedingt jedem empholen werden der dem Grau des Alltags mal für kurze Zeitvergessen will, diese Veranstaltung zu besuchen.
Denn daß man auch in Biesenbach versteht Feste zu feiern, dürfte vom vorigen Jahr noch in angenehmer Erinnerung sein.
Dieses Bild bitte in Querformat mit Beschreibung in die Festschrift einfügen!!!!!!!!! Liegt im Original bei!
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Dies ist nicht der erste Hinweis auf den Schießverein.
Schon in der illustrierten Stadtchronik von Bergisch Neukirchen ist der Schießverein in einer Aufzählung erwähnt.
Dort wird allerdings als Tag der Gründung der 27.06.1926 angegeben.
Es werden 15 Gründungsmitglieder genannt und der Verein hatte im Jahr 1929 schon 74 Mitglieder.
Als Vereinslokal wird die Gaststätte Kolk, Claashäuschen genannt und als wichtiges Ereignis im Vereinsleben gilt die Errichtung der Schießstände 1926/27.
Die Fahnenweihe fand am 07.07.1928 statt.
Leider sind die Bücher des Vereins verschollen, so daß es nur wenige Informationen über den ,auch für die Geschichte der Dorfgemeinschaft, so wichtigen Vereines gibt.
Die Schützen feiern
Aus „Volksparole“ vom 30.06.1934
Zwei große Festtage stehen in Bergisch Neukirchen bevor.
In Pattscheid wird das gemeinsame Schützen und Volksfest der
Neukirchener Schützenvereine festlich begannen.
u.a.
In diesem Jahr soll die festliche Veranstaltung nicht nur
ihren hohen Maßstab an Schützenlust und froher
Stimmung zeigen, sondern weiter auch ein Bekenntnis der
Schützenvereine darin sein, daß sie gewillt sind, ein einiges Volksfest zu feiern,
bei dem die Eigenbrödlerei und der Lokalpatriotismus der einzelnen zurückstehen muß.
Des weiteren wurde in diesem Artikel auch direkt geregelt, daß die Organisation und Durchführung der nächsten Feste abwechselnd erfolgen sollte.
Einige Informationen kann man aus einem Festvortrag von Max Heider anläßlich eines Winterfestes im Februar 1938 ableiten.
So muß ein „ Johann der kleine aus Quettingen „ König im Jahr 1933 gewesen sein.
Wie oben beschrieben wurde im Jahr 1934 in Pattscheid versucht, drei Schützenfeste gleichzeitig in einem Zelt zu feiern. Es dürfte sich dabei neben dem Schießverein Einigkeit um den Schießverein „ Gut Ziel “ Hüscheid und dem Schützenverein Pattscheid gehandelt haben.
Dieses Fest zeigt die auch noch heute vorhandene Freundschaft und Verbundenheit der Dorfgemeinschaften Hüscheid – Neuenkamp, Pattscheid – Romberg – Linde und der Biesenbach.
Allerdings gibt es keine weiteren Informationen über dieses gemeinsame Schützenfest außer, das ein gewisser ‚Ferdinand‘ für den Schießverein Einigkeit König wurde.
In der Mitte Ferdinand Herrmans König 1934 mit dem König von 1933 Johann Matzerath,
links Hugo Neu
Dieser ‚Ferdinand der Große‘ soll später Bürgermeister geworden sein.
Es wird sich um Ferdinand Herrmanns vom Claashäuschen gehandelt haben, der im dritten Reich in Bergisch Neukirchen Bürgermeister war.
Abgelöst wurde er von König Ernst 1935. Im Jahr 1936 wurde ein ‚Eugen der Erste‘ und ‚Katharina die Große‘ König und Königin. Nachnamen wurden leider in dem Vortrag nicht erwähnt, so das noch einige Recherchen erforderlich sind um die Chronologie zu vervollständigen.
Im Jahr 1937 errang Walter Kolk die Königswürde, seine Frau war dann ‚Königin Alma‘.
In diesem Vortrag werden noch einige lustige Vorfälle aus der Königszeit aufgezählt und man wird auf diesem Winterfest, wie für Biesenbacher typisch, noch ordentlich gefeiert haben.
Weiter ist bekannt das Gustav Melzer im Jahre 1929 König wurde und auch Paul Wendel einmal König des Schießvereins war. Leider ist das Jahr nicht bekannt.
Auch der zweite Weltkrieg hinterlies in der Biesenbach seine Spuren. Neben zahlreichen Gefallenen auf den Schlachtfeldern blieb die Biesenbach nicht von den Bombenangriffen verschont. Hierzu existieren Tagebuchaufzeichnungen von Elfriede Daum:
Auch der zweite Weltkrieg blieb nicht ohne Auswirkungen auf die Ortschaft Biesenbach, wie Elfriede Daum in ihren Tagebuchaufzeichnungen berichtet. Am Anfang des zweiten Weltkriegs blieb die Biesenbach und somit auch Elfriede Daum, ihr Mann und ihre Tochter Helga von Bombardierungen verschont, doch im Frühjahr 1940 begannen die Angriffe auf die rheinischen Städte. Die Familie musste fast jede Nacht, im Keller Schutz suchen, um dort dem Grauen der Einschläge zu entgehen. Im Jahre 1944 fielen daraufhin auch die ersten einzelnen Bomben sowie eine schwere Luftmine in der Biesenbach. Die Bombardierungen verschärften sich bis im Januar 1945. Über 200 Bomben fielen zwischen Biesenbach und Bergisch Neukirchen.
Die Kampffront hatte sich dem Rhein genähert und die Familie Daum hatte beständig Truppen in Quartier. Sie konnten nur noch auf "das Wunder, was uns den versprochenen Sieg bringen sollte" hoffen. In der Nacht zum 3. März wurde Familie Daum durch einen schweren Einschlag geweckt und was passierte, nachdem sie wieder eingeschlafen waren, war der Alptraum für die Familie. Eine Bombe schlug ganz in der Nähe ein und das ganze Haus wackelte, so dass ein Teil des Daches einstürzte. Elfriede Daum rief nach ihrer Tochter, "aber alles blieb still". Die böse Vorahnung, die ihr in diesem Moment wohl in den Kopf schoss, wurde leider bestätigt. Denn als Rettungsversuche unternommen wurden, konnte lediglich der tote Körper geborgen werden. "Die folgenden Tage waren wie ein wüster Traum" für Elfriede Daum und ihre Familie. Mit Hilfe von Nachbarn versuchten sie das zu bergen, was noch von ihrem Haus und ihren Habseligkeiten übrig geblieben war. Zu ihrem Glück wurde die Familie von einer Freundin, Anna Tillmanns, aufgenommen, die im Grund wohnte. Dort war bereits viel Militär einquartiert und die aufgeweichten Straßen waren meist voller Lehm, Fuhrwerken und Geschützen. Nicht viel später, am 6. März, fielen viele Menschen in Opladen einem zerstörerischen Angriff zu Opfer. Von der Beerdigung der Tochter Helga, die am nächsten Tag stattfand, behielt Elfriede Daum noch die Worte des Pfarrers in Erinnerung "Er hält uns doch in Händen, der alle Hände hält". Diese Worte spendeten ihr immer wieder Trost in schweren Zeiten, auch wenn es schwer fiel, bei all dem Leid und der Not in der sich die Menschen befanden.
Am 10.03.1945 machte sich das Ehepaar auf den beschwerlichen Weg nach Berlin und erlebten dort das Ende des Krieges und den Einzug der Russen in all seiner Härte. Endlich, am 27.07. des Jahres kehrte erst Friedrich Daum und am 06.09.1945 auch Elfriede Daum in die Heimat, in die Biesenbach zurück. Nachdem sie einige Jahre bei Freunden und Verwandten unterkamen, konnten sie Ende 1948 in das eigene, wieder aufgebaute Haus einziehen.
Aus Ihrer Feder stammen mehrere Heimatgedichte und Lieder, die auch in vielen Heimatbüchern veröffentlicht wurden.
Elfriede Daum führte ein Tagebuch. In diesem schrieb Sie zu ihrer Goldenen Hochzeit:
Am 8. Sep. 1956 konnten wir bei guter Gesundheit unsere goldene Hochzeit feiern. Es war eine schöne Feier, am Vorabend Fackelzug, Darbietungen von Musik und Gesangsverein, viele schöne Geschenke aber sonst im kleinen Rahmen ...
Weitere Informationen und Bilder zur Geschichte der Dorfgemeinschaft Biesenbach findet ihr in der Festschrift zum 50 jährigen Jubiläum der Dorfgemeinschaft.
Diese Festschrift ist zu erwerben bei
Harald Manz
Wiehbachtal 5a
51381 Leverkusen
Tel.:02171 52952